18.9.2025
„Liebe Frau Dr. acad. Sommer, ich bin Bauingenieurin und Statikerin in einem großen Bauunternehmen. Habe ich Chancen bei der Bewerbung auf eine Fachhochschul-Professur, wenn meine letzte gehaltene Lehrveranstaltung mehrere Jahre zurück liegt und ich meine Promotion bereits vor 7 Jahren abgeschlossen habe?"
Ein längerer zeitlicher Abstand zwischen Promotion und Bewerbung muss kein Hinderungsgrund für einen Ruf an eine Fachhochschule oder HAW sein. Gerade wenn Sie z.B. weiter publiziert haben oder im Unternehmen im Bereich von Forschung und Entwicklung eingesetzt sind, ist dies unproblematisch.
Aber auch wenn Sie zwischenzeitlich nicht geforscht haben, können Sie mögliche Projekte in Forschung und Praxis skizzieren, die Sie als Professorin in Angriff nehmen möchten. Wie wichtig ein explizit wissenschaftliches Profil ist, hängt stark von der jeweiligen Hochschule ab: Manche legen mehr Wert auf Forschung, andere weniger.
Unabhängig davon spielt Ihre Lehrerfahrung in jedem Fall eine bedeutende Rolle. Mitregelmäßig 18 Semesterwochenstunden ist die Lehrverpflichtung hoch, daher sollten Sie zeigen, dass Sie dafür gut gerüstet sind:
Haben Sie im Unternehmen Bachelor- oder Masterarbeiten betreut? Gab es „damals“ besonders gelungene Lehrveranstaltungen? Haben Sie hochschuldidaktische Workshops besucht? Nehmen Sie das unbedingt in Ihren CV auf. Ein neuer Lehrauftrag – dealerweise zu einem Thema, das Sie bislang noch nicht angeboten haben – signalisiert zusätzlich Engagement und eine gewisse Breite in der Lehre.
Vielleicht sind solche zusätzlichen Schritte aber gar nicht nötig, denn in Fachgebieten wie den Ingenieurswissenschaften gibt es oft (zu) wenige Bewerber/innen. Und die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllen Sie ohnehin: Promotion plus fünf Jahre Berufserfahrung, drei davon außerhalb der Hochschule – prima! Um Ihre Chancen auszuloten, können Sie sich also einfach bewerben.
Falls Sie zunächst noch mehr über Stelle und Erwartungen erfahren möchten, nehmen Sie Kontakt zur Hochschule auf. Manche Hochschulen gehen inzwischen aktiv in die Rekrutierung und bieten Infoveranstaltungen für Interessierte an – eine gute Gelegenheit, um mehr über Angebote und Erwartungen zu erfahren. Auch die in der Ausschreibung genannten Ansprechpartner/innen oder die Gleichstellungsbeauftragte geben oft gerne Auskunft.
Um sich für diese Gespräche und auch für ein eventuelles „Vorsingen“ gut vorzubereiten, hilft es, sich das eigene Potenzial für die Professur bewusst zu machen: Warum möchten Sie jetzt gerne FH-Professorin werden? Welche Kompetenzen, Projekte oder Netzwerke bringen Sie mit, von denen Hochschule und Studierende profitieren können? Je klarer Sie Ihre Passung zur Stelle für sich analysieren, desto überzeugender können Sie es im Verfahren vermitteln.
Alles Gute für Ihre nächsten Schritte!
Franziska Jantzen ist Coach und Karriereberaterin. Sie informiert auf „Vorsingen, dem Blog für die letzten 100 Meter auf dem Weg zu Professur“ über die Fallstricke von Berufungsverfahren. Als Mitglied des Coachingnetz Wissenschaft berät sie in ZEIT WISSEN3 die Scientific Community als „Dr. acad. Sommer“. https://jantzen-entwicklungen.de/blog, https://coachingnetz-wissenschaft.de
Auch eine Frage an Dr. acad. Sommer? Schreiben Sie an wissendrei@zeit.de, twittern Sie unter #Wissen3 – oder hinterlassen Sie uns in diesem Kontaktfomular anonym Ihre Frage!
Bild: KI generiert
(c) Franziska Jantzen
27.11.2025
Franziska Jantzen
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