Vorsingen, der Blog für die letzten 100 Meter auf dem Marathon zur Professur

Gut vorbereitet in die Berufungsverhandlungen

Bei Ihnen stehen erstmalig Berufungsverhandlungen an? Herzlichen Glückwunsch, jetzt haben Sie es fast geschafft!

Mentale Vorbereitung auf die Berufungsverhandlung

Den inneren Schalter umlegen

Das Wichtigste gleich zuerst: Voraussetzung für eine souveräne Verhandlungsposition ist das, was die Soziologie so schön eine erfolgreiche Statuspassage nennt. Mit dem Ruf öffnet sich nach all den Jahren auf befristeten Verträgen die lange verschlossene Tür zur Professur plötzlich sperrangelweit. Man will, dass Sie kommen! Okay, um den roten Teppich – also die notwendigen Ressourcen – müssen Sie nun verhandeln. Und dafür ist es elementar, dass Sie einen inneren Schalter umlegen: Raus aus der Haltung der Nachwuchswissenschaftlerin und rein in die Rolle des/der professoralen Kollegin.

Das ist für viele eine ganz besondere Herausforderung. Berufungsverfahren werden ja bisweilen wie Prüfungen inszeniert und selbst wenn das nicht der Fall ist, fühlen sich Bewerber*innen trotzdem innerlich bisweilen wie Prüflinge. Und plötzlich, mit dem Ruf, gibt eine ganz neue Konstellation: Die Hochschule möchte sehr gerne, dass Sie kommen. Das fühlt sich vielleicht erstmal ungewohnt an, aber machen Sie sich bewusst: Die Kommissionsmitglieder und diverse Hochschulgremien waren teils über mehrere Jahre damit beschäftigt zu entscheiden, dass Sie für diese Stelle die Nummer 1 sind. Mit dem Ruf geschieht dann eine Verschiebung der Hierarchien und Kräfteverhältnisse: In den Berufungsverhandlungen steht jetzt ein Gespräch auf Augenhöhe zwischen (nun ja, fast) Gleichen an. Sie gehören jetzt dazu. Und das sollte Ihr Gegenüber auch im positivsten Sinne spüren können. Für erfolgreiche Verhandlungen ist es essentiell, sich bewusst zu machen, was Sie erreicht haben und wie wichtig es auch für die Hochschule ist, dass die Verhandlungen positiv verlaufen.

Sehr gute Vorbereitung, selbstbewusste Überzeugungskraft und eine klare Zielrichtung

Natürlich gibt es dabei große Unterschiede. Stehen Sie auf einer Einerliste und wissen, dass die Stelle neu ausgeschrieben werden muss, wenn die Verhandlung scheitert, ist die Verhandlungssituation sehr komfortabel. Sind aber auf Platz zwei und drei der Liste ebenfalls sehr gut qualifizierte Kolleg*innen, die auch gerne an dem Standort arbeiten möchten, ist Ihre Position natürlich nicht ganz so stark. Aber selbst dann hilft es zu realisieren, dass Sie jetzt gerade ganz oben auf dem Treppchen stehen. Es ist entscheidend, sich das bewusst zu machen und es auch nach außen zu zeigen. Nicht durch Arroganz oder auftrumpfendes Verhalten, sondern vielmehr durch sehr gute Vorbereitung, selbstbewusste Überzeugungskraft und eine klare Zielrichtung**.
Parallel zur mentalen Vorbereitung sollten Sie die Situation an der rufenden Hochschule genau sondieren. Wie geht das?

Genau sondieren

Vermutlich haben Sie schon der Berufungskommission erläutert, wie Sie die Professur ausfüllen möchten und wie Sie sich in Forschung und Lehre einbringen werden. Dies gilt es noch einmal zu schärfen, indem Sie klare Handlungsschritte und Ziele für die Professur in den nächsten fünf Jahren entwickeln. Um die Verhandlung vorzubereiten, ist es jetzt wichtig herauszufinden, welche Ressourcen vor Ort vorhanden sind und was Sie zusätzlich brauchen.
Führen Sie hierfür Gespräche mit Entscheidungsträger*innen und potenziellen Mitarbeiter*innen. Besichtigen Sie Räume, Labore, Equipment, etc. Gehen Sie in die Bibliothek oder den Hörsaal. Was ist vorhanden, was brauchen Sie noch, um Ihre Ziele zu realisieren?

Fundierter Plan mit Kostenaufstellung

Ohne einen fundierten Plan gibt es nur wenige Ressourcen. Entwickeln Sie daher das sogenannte Konzeptions- oder Positionspapier für die Ausstattung der Professur. Hierin werden Ihre Ziele für Forschung und Lehre in den nächsten fünf Jahren und der damit verbundene Bedarf erläutert. Listen Sie darin genau auf, was Sie benötigen.

Wie finde ich raus, was ich fordern kann?

Sprechen Sie mit Kolleginnen und Mentorinnen. Schauen Sie sich die Profile anderer vergleichbarer Professuren an. Zur Kalkulation insbesondere der persönlichen Bezüge, aber auch zur Einschätzung dessen, was Sie generell fordern können, sind der [Deutsche Hochschulverband] und für Professuren an Fachhochschulen der Hochschullehrerbund Deutschland hilfreiche Ratgeber.

Verhandlungspartnern*innen in Berufungsverhandlungen

Das kommt auf die Konstellation vor Ort an und wird Ihnen im Vorfeld genau mitgeteilt. Manche Fakultäten verfügen über große Ressourcen und Sie verhandeln vieles direkt mit dem/der Dekanin, während an anderen Standorten die Hochschulleitung oder gar das Ministerium die Verhandlungspartnerinnen sind.
Jetzt gilt es nur noch, die Hochschulseite von Ihren Zielvorstellungen und den damit verbundenen Ausstattungswünschen zu überzeugen.

Strategie entwickeln!

Neben dem Konzeptionspapier und dem Besoldungsbrief als Grundlage brauchen Sie nun natürlich auch eine Strategie, wie Sie die Hochschulseite davon überzeugen können, Ihre Ziele zu unterstützen und die gewünschten Ressourcen für Ihre Arbeit bereitzustellen.

Diese Verhandlungsstrategie können Sie gerne mit mir im Coaching erarbeiteten. Weitere Hinweise wird es auch in einem der nächsten Beiträge in diesem Blog geben.

© Franziska Jantzen
Foto: Franziska Jantzen

17.02.2021

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Franziska Jantzen
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